Sechs Sekunden für „Gute Besserung“
Logistik – das ist heute mehr als der Transport von Gütern zwischen A und B. In etlichen Wirtschaftsbereichen wird vor allem bei der Logistik an der Kostenschraube gedreht und nicht selten entscheiden ein oder zwei Prozent Logistikkosten-Anteil vom Umsatz mehr oder weniger über rote oder schwarze Zahlen eines Unternehmens.
Für Gerald Gerstner ist dies eine beinahe tägliche Erkenntnis. Sein Unternehmen in Harthausen/Speyer in der Pfalz heißt „IBG Beratende Ingenieure in der Logistik“. Seit rund 20 Jahren arbeiten er und seine Mitarbeiter national und international bei der Produktionslogistik oder der Lösung von Lagerungs- und Transportproblemen. „Wie durchläuft die Heckklappe die Fertigung und die Endmontage ohne Beulen oder Kratzer? Wie werden unterschiedlichste Produkte Kosten sparend verpackt und transportiert? Und wie lassen sich in einem neu zu planenden Logistikzentrum täglich bis zu 1,2 Millionen Arzneimittelpackungen mit größter Sorgfalt in die richtigen Kartons verpacken?“ Fragen, die Gerald Gerstner und seine Mitarbeiter kompetent beantworten.
Bei einem Unternehmen in Lüdenscheid ermittelten die IBG-Ingenieure Möglichkeiten zur Produktionssteigerung von 25 Prozent. Bei einem alteingesessenen Metallbaubetrieb in der Pfalz werden erhebliche Einsparungen und damit geringere Produktions- und Logistikkosten errechnet. Und ein enorm innovatives Projekt stellt das Hochregallager im Donautal bei Ulm dar, wo auf 28.000 Palettenplätzen auf 120 Meter Länge und 38 Meter Höhe sämtliche Arzneimittel der Unternehmensgruppe Merckle/ratiopharm gelagert und kommissioniert werden.
Die IBG-Mitarbeiter hatten im Rahmen einer Konzeptplanung alle Logistikvorgänge bei Merckle/ratiopharm in Ulm untersucht und für die Auslieferung der Medikamente ein komplett neues Konzept entwickelt und umgesetzt. Die Dimension ist auch für Logistiker enorm: 1,2 Millionen verschiedene Medikamentenpackungen sind täglich umzuschlagen. Eine Kommissionierleistung mit besonderen Herausforderungen. Auch für die Logistik-Ingenieure von IBG in der Pfalz mit der Erfahrung aus mehr als 200 Projekten. Seit dem Frühjahr 2002 arbeitete ein IBG-Team an der Umsetzung dieser Anforderungen, die von kürzeren Durchlaufzeiten für die Kundenaufträge über eine Erhöhung der Kommissioniergenauigkeit und die Steigerung der Warenverfügbarkeit bis zur Verbesserung der Arbeitsplatzqualität reichen. IBG-Chef Gerald Gerstner: „Wir entschieden uns an einigen Stellen sehr bewusst für technisches Neuland!“
Die hohe Effizienz der Technik und der eingesetzten Mitarbeiter überzeugte den Auftraggeber. Henning Bosch aus der Geschäftsleitung der Merckle GmbH und zudem für die Logistik der Unternehmensgruppe zuständig: „Geschwindigkeit und Qualität unserer logistischen Abläufe haben sich wesentlich verbessert!
Der Clou: Das Picking-Car „plus“
Schienengeführte Regalbediengeräte (RBG) gehören in jedem Hochregallager inzwischen zum Standard. Für die IGB-Ingenieure reichten die technischen Leistungsangebote des Marktes jedoch nicht aus. Sie entwickelten ihr Picking-Car „plus“, ein in beide Fahrrichtungen operierendes Gerät, das während der Fahrt die ausgewählten Kartons über einen Senkrecht-Förderer auf stationäre Transportbänder abgibt und dabei eine enorme Effizienz erreicht. Alle sechs Sekunden wird ein Karton „auf die Reise“ geschickt. Zusammengestellt aus dem Vorrat von 120 Metern Palettenlager – über viele Meter Höhe verteilt.
Auch für kleine Versandaufgaben bei ratiopharm fanden die IBG Mitarbeiter eine Lösung: In einem speziellen Durchlauflager wird das Gewicht der gepackten Kartons auf 10 Gramm genau kontrolliert - jeder Packfehler wird dadurch sofort erkannt und kann direkt korrigiert werden. Und im gesamten Logistikzentrum findet sich – mit Ausnahme bei der LKW-Verladung – nicht ein einziger Gabelstapler.
Klar, dass alle Arbeitsgänge bei derartigen logistischen Spitzenleistungen unmittelbar auch mit den eingesetzten Rechnern und ihrer Leistungsfähigkeit verbunden sind. Bei ratiopharm ist es ein SAP-System, die sämtliche Kommissionier- und Lagerungsvorgänge steuert.
Für Henning Bosch sind die IBG-Lösungen zukunftsfähig: „Unsere 60 Mitarbeiter pro Schicht arbeiten im Teamsystem mit flexiblen Arbeitszeiten und unsere Reaktionszeiten bei der Bestellung von Pharmagroßhändlern oder Kliniken haben sich deutlich verkürzt!“
Auf die IBG-Logistik-Spezialisten aus der Pfalz warten unterdes neue Herausforderungen: Weitere Potentialanalysen für die Produktions- und Logistikabläufe von Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen, die vorhandene Anlagen optimieren oder neue Anlagen zukunftsweisend ausrichten wollen.
Wolfgang Kiesel