Energiewende – jetzt aber? Oder?

Ein Kommentar:

Was ist die Fortschreibung des Satzes: „Bei uns kommt der Strom aus der Steckdose?“ – Ganz klar: „Von den Offshore-Windmühlen sehen wir vom Deich aus nichts! Die Anlagen stehen hinterm Horizont.“ Ob wir damit aber das Perpetuum mobile zur Stromerzeugung „hinter dem Horizont“ gefunden haben, steht dahin. Alles, was bisher unter der Überschrift „Energiewende“ in Deutschland beschlossen wurde, stand unter den Vorzeichen von Pleiten, Pech und Pannen! Für all das, was an und vor den Küsten bisher stattfand gilt dies im Besonderen. Und plötzlich lernen auch technische Laien, dass Strom nicht „per Funk“ nach Bayern übertragen werden kann …

Seit unsere promovierte Physikerin im Kanzleramt nach der Katastrophe von Fukushima plötzlich und unerwartet feststellte, dass Kernenergie gefährlich ist, hat sich an der Küste Manches verändert. In den Häfen zwischen Emden und Mukran auf Rügen stehen unzählige jeweils fast 1.000 Tonnen schwere Füße von Windmühlen herum, Dutzende von Getrieben und Generatoren und Propeller hoffen auf den Abtransport wie in Bremerhaven oder öffentliche Millioneninvestition in den Kajenausbau wie in Cuxhaven warten auf ihre Refinanzierung.

Seit der sozialdemokratische Bundeswirtschaftsminister seine Vorstellungen zum Erneuerbare-Energien-Gesetz vorgestellt hat, befeuern Berufsoptimisten wie sein Parteifreund, der Schleswig-holsteinische Ministerpräsident, die öffentliche Stimmung in Deutschland. Doch reichen die jetzt angestrebten Zahlen von Offshore-Mühlen vor unseren Küsten als „Lösung“ wirklich aus. Und wofür eigentlich?

Nach Hafenwirtschaftskrisen und Fischereikrisen, Werftenkrisen und schleppender Tourismusentwicklung stand die Offshore-Windkraft als neuer Messias am küstenwirtschaftlichen Horizont. Die ersten Insolvenzen liegen längst hinter uns und der absurde Konkurrenzkampf der norddeutschen Häfen gegeneinander verschlingt Steuermillionen.

Aktuell sind knapp 150 von nunmehr geplanten 1.300 Windmühlen aufgestellt. Längst nicht alle aufgestellten können ihren Strom aber aufgrund fehlender Kabeltrassen auch zum Verbraucher transportieren. Apropos Verbraucher: „200.000 Haushalte“, so verkündete ein Energieerzeuger unlängst, könnten nun offshore von ihm versorgt werden. Doch wieviel Strom sind 200.000 Haushalte?

Ich habe da meine ganz eigene Rechnung: Das Kernkraftwerk Unterweser, weniger Kilometer südlich der Wesermündung gelegen, produzierte bis zu seiner Kanzleramts-Stilllegung 1.350 Megawatt Strom. Die bisher aufgestellten Offshore -Windmühlen produzieren jeweils 5 Megawatt. Um also das KKW Unterweser zu ersetzen benötigen wir 270 Anlagen auf See. Nach der politischen Entscheidung wurden sieben, vielleicht bald acht KKWs stillgelegt …

Und dann das EEG: Wenn die Zahl der Bau- und Monagestandorte in Deutschland so bleibt, dann werden beispielsweise in Bremerhaven noch rund 250 Anlagen gebaut und transportiert. Rechtfertigt dies den politischen und wirtschaftlichen Aufwand, der aktuell dort stattfindet?

Und was kommt danach? Die Windenerergiekrise? Repowering, also das Ersetzen der Anlagen durch leistungsstärkere oder Service und Wartung? RWE Innogy hat die Wartung der Mühlenfüße im Park Nordsee Ost gerade für die kommenden Jahre vergeben: An ein niederländisches Unternehmen.

Wolfgang Kiesel

 

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